Schneller, effizienter, sicherer, komfortabler und stressfreier: Mit APS haben dormakaba und Rohde & Schwarz eine neuartige, automatisierte Zutrittslösung für Flughäfen und kritische Infrastrukturen entwickelt. safety-security.ch hat sie sich auf der BAU München angeschaut und getestet.
«Heute stehen an einer Personenkontrolle am Flughafen viele Mitarbeitende, die Passagieren sagen, wie sie sich hinstellen müssen und was sie aus ihren Taschen nehmen sollen», sagt Boon Ping Ooi, Business Owner Security Gates Global bei dormakaba. «Diesen ganzen Prozess konnten wir automatisieren und dadurch sowohl die Sicherheit als auch den Komfort und die Effizienz erhöhen.» So kann eine Personenkontrolle stressfreier erfolgen, das Sicherheitspersonal wird von nicht sicherheitsrelevanten Aufgaben entlastet und kulturelle Fettnäpfchen oder Sprach-Barrieren werden umgangen.
APS Automated Personell Screening: Was in Las Vegas passiert, bleibt nicht immer in Las Vegas
Entwickelt wurde die Zutrittslösung APS (Automated Personnel Screening) im Auftrag der TSA, der amerikanischen Transportation Security Administration. «Sie wollte diesen für Fluggäste und Personal eher stressigen Ablauf optimieren», sagt Boon Ping Ooi. «Wir haben die Optionen zusammen mit dem Unternehmen Rohde & Schwarz, das Personenkontrollsysteme auf Millimeterwellentechnologie entwickelt, detailliert angeschaut und ihre Möglichkeiten mit unseren Technologien zur Automatisierung des Personenflusses kombiniert.»
APS ist also grundsätzlich eine Kombination zweier marktführender Lösungen – eines Personenscanners von Rohde & Schwarz, wie er schon an vielen Flughäfen installiert ist, und einer Personenvereinzelungslösung von dormakaba. So ermöglicht APS eine Überprüfung der Positur und die Anweisung mittels grüner oder roter Flächen zur Nachjustierung der Positur. Dann wird ein automatischer Scan ausgelöst. Für die Überprüfung der Positur wird eine Kamera eingesetzt, die allerdings keine Bilder aufzeichnet, sondern nur sicherstellt, dass die Person korrekt steht – so wie ein Avatar auf der Scanner-Wand. Später wird dafür die inhärente Millimeterwellentechnologie des Scanners genutzt.
Das Resultat dieser Zusammenarbeit ist ein automatisierter, geleiteter und intuitiver Scan-Prozess. Erste Erfahrungen mit der kombinierten Lösung wurden am Flughafen in Las Vegas gesammelt, wo ein Testbetrieb läuft. «Aufgrund der positiven Resonanz überlegt der Flughafen, eine weitere automatisierte Kontrollstelle aufzubauen. Wir testen APS nun auch am Flughafen München sowie mit weiteren Firmen, beispielsweise in den Niederlanden und in Singapur», sagt Boon Ping Ooi. Was in Las Vegas geschieht, bleibt also nicht immer in Las Vegas.
Wie funktioniert die automatisierte Zutrittslösung?
APS wird nun neben Flughäfen auch zum Schutz kritischer Infrastrukturen wie Kraftwerken, Forschungslaboren, militärischen Anlagen oder Rechenzentren angeboten. Wie aber funktioniert die automatisierte Zutrittslösung?
Vereinfacht gesagt kombiniert das System Sicherheitsschleusen mit KI-Technologie zur Positionsführung von dormakaba und einem ebenfalls KI-basierten Sicherheitsscanner für die Personenkontrolle von Rohde & Schwarz. Der Millimeterwellen-Scanner von Rohde & Schwarz erkennt nicht nur metallische Objekte, sondern auch beispielsweise Keramikmesser oder verdächtige Flüssigkeiten und kann so auch nicht metallische Bedrohungen wie Plastiksprengstoffe und 3D-gedruckten Waffen ohne Metallteile entgegenwirken. Nur bei erkannten Objekten ist am Ausgang der dormakaba Sicherheitsschleuse ein manuelles Eingreifen erforderlich – dann geht die Tür nämlich nicht auf.
Im Vergleich zu früheren ähnlichen Scannern sehen Sicherheitsmitarbeitende keine Umrisse der gescannten Menschen. «Die Technologie ist es, die mittels künstlicher Intelligenz erkennt, wo auf einem Körper Gegenstände sind», sagt Boon Ping Ooi. «Sie kennt jedoch keine personenbezogenen Daten und bearbeitet alles in Echtzeit.»
Der Scanner liefert also keine Körperkonturen oder Bilder von gescannten Menschen, sondern überträgt sein Ergebnis auf einen standardisierten Avatar, der die genaue Position der gefundenen Objekte angibt. Das Sicherheitspersonal kann dann gezielt nachkontrollieren – oder die gescannten Menschen sehen selbst, wo das Problem liegt, und nehmen Gegenstände aus ihren Taschen. Je nach implementierter Integration können Security-Mitarbeitende auch aus der Leitstelle sagen, wo das Objekt genau zu finden ist.
Damit der Scanner problematische Objekte automatisch zuverlässig erkennen kann, wird die KI-basierte Detektionssoftware entsprechend trainiert. Und der Scanner arbeitet mit niedrigenergetischen Radiowellen. Diese dringen nicht in den Körper ein, wie das bei Röntgenstrahlen der Fall ist. Sie verursachen ausserdem keine physikalischen Effekte, wie Metalldetektoren es tun. Dadurch ist der Scanner auch für Träger von Herzschrittmachern oder für Schwangere unbedenklich.
Traue nur Deinen eigenen Tests
Wenn das funktioniert, bietet APS sowohl die Erfüllung modernster Sicherheitsstandards als auch viel Effizienz und Benutzerfreundlichkeit. Ich fuhr deshalb nach München an die Fachmesse BAU, wo der Scanner ausgestellt wurde, und sprach dort nicht nur mit Boon Ping Ooi, sondern versuchte ausserdem, allerlei Gegenstände durch den Scanner zu schmuggeln (siehe Video).
Das Schweizer Armeemesser und die metallene Nagelfeile scheiterten kläglich, aber auch einen organischen Gegenstand wie eine Banane oder ein Plastikmesser wurden von APS erkannt – der Zugang blieb mir verwehrt. Einen umgehängten Schal erkannte APS allerdings als harmlos und liess mich durch.
Besonders aufschlussreich war auch der Beizug von Marcel Schär, bei dormakaba der Key Account Manager für den Flughafen Zürich, den ich auf der Messe traf. Sein Hüftgelenk aus Titan macht ihm bislang jede Personenkontrolle an einem Flughafen unangenehm, denn selbst die Handscanner nach der Schleuse schlagen Alarm. APS jedoch lässt ihn gewähren – weil das Metall im Körper und nicht auf dem Körper getragen wird. Wir haben das vor Ort erfolgreich getestet.
Ob Flughafen oder kritische Infrastruktur: wo Sicherheitskontrollen zwingend sind, sollten sie effizient sein
Schneller, effizienter, sicherer, komfortabler und stressfreier: das Versprechen wird aus meiner Sicht gehalten. Es dürfte also eine Frage der Zeit sein, bis APS auch an weiteren Flughäfen zum Einsatz kommt – und in vielen weiteren kritischen Infrastrukturen, wo Sicherheitskontrollen zwingend sind, aber viel Zeit und Personal benötigen und für alle Beteiligten wenig Komfort und unnötigen Stress bedeuten.
In Zusammenarbeit mit dormakaba