Heute vor 50 Jahren hat Guido A. Zäch (89) die Schweizer Paraplegiker-Stiftung gegründet. Es war der Startschuss zum Aufbau eines weltweit einzigartigen Leistungsnetzes für Menschen mit Querschnittlähmung, das mittlerweile von 2 Millionen Mitgliedern getragen wird und unter anderem bei der Wiedereingliederung in den Arbeitsmarkt grosse Erfolge aufweist. Unter dem Motto «Dabei sein wirkt» zeigt die Stiftung im Jubiläumsjahr, was eine Mitgliedschaft oder eine Spende bewirken kann. Höhepunkt bilden die Tage der offenen Tür am 6. und 7. September in Nottwil (LU).
Ein kleiner Fehltritt auf der Wanderung, ein Sturz in der Küche oder ein Bikeunfall können das Leben von einer Sekunde auf die andere fundamental verändern. Jeden zweiten Tag wird in der Schweiz ein Mensch durch einen Unfall querschnittgelähmt. Stürze, Sport- und Verkehrsunfälle sind dabei die häufigsten Unfallursachen. Es ist ein gravierender Einschnitt, der das Leben buchstäblich auf den Kopf stellt. Dank der Schweizer Paraplegiker-Stiftung und ihren mittlerweile sieben Tochtergesellschaften und zwei nahestehenden Organisationen (sie bilden zusammen die Schweizer Paraplegiker-Gruppe) hat sich die Lebensqualität von Betroffenen seit 1975 stark verbessert. In der Gruppe setzen sich täglich über 2000 Mitarbeitende in über 100 Berufen für Betroffene ein – von der Unfallstelle über die Rehabilitation und darüber hinaus – ein Leben lang.
Am heutigen 12. März feiert die Stiftung ihr 50-jähriges Bestehen – 50 Jahre, die geholfen haben, viele menschliche Schicksale wieder in positive Bahnen zu lenken. Trotzdem besteht vielerorts noch Handlungsbedarf, unter anderem im öffentlichen Verkehr oder im hindernisfreien Zugang zu Restaurants, Theater oder öffentlichen Gebäuden.
Weltmeisterin bei der Wiedereingliederung in den Arbeitsmarkt
Die Schweizer Paraplegiker-Stiftung hat mit der ganzen Gruppe seit 1975 bedeutende Fortschritte für Menschen mit Querschnittlähmung erzielt – von der medizinischen Versorgung über die Rehabilitation und soziale Integration bis zur beruflichen Wiedereingliederung. Über 60 Prozent der Menschen mit Querschnittlähmung können zum Beispiel heute nach der Rehabilitation wieder arbeiten – das ist Weltrekord. Dank der gesamten Schweizer Paraplegiker-Gruppe, die Betroffene berät und begleitet, mit Versicherungen verhandelt und Unternehmen für die Anstellung von Rollstuhlfahrenden sensibilisiert, ist dieses Resultat erst möglich geworden.
Die Eröffnung des Schweizer Paraplegiker-Zentrums (SPZ) fand 1990 statt, 15 Jahre nach der Gründung der Stiftung. Guido A. Zäch war bis zur SPZ-Eröffnung Chefarzt am Schweizerischen Paraplegikerzentrum in Basel. «Was er ins Leben gerufen hat, ist bemerkenswert», sagt Stiftungsratspräsidentin Heidi Hanselmann. «Heute steht die Stiftung für Inklusion, professionelle und interdisziplinäre Zusammenarbeit und für den Spirit of Nottwil. Bei uns setzen sich über 2000 Mitarbeitende mit Herzblut und Engagement für die Bedürfnisse von Querschnittgelähmten ein.» Das Jubiläumsmotto «Dabei sein wirkt» zeige sich somit auch am täglichen Einsatz für Betroffene.
Sensibilisierung durch Erlebnis und echte Geschichten von Betroffenen
Die Schweizer Paraplegiker-Stiftung setzt viel daran, die Bevölkerung zu sensibilisieren. Deshalb hat sie 2019 auf dem Campus Nottwil das Besuchszentrum ParaForum eröffnet. Hier können sich Besuchende in den Rollstuhl setzen und durch den erlebbaren Perspektivenwechsel viel über Querschnittlähmung lernen und erfahren. Allein im vergangenen Jahr haben über 24 000 Menschen die Ausstellung besucht oder an einem begleiteten Rundgang durch das Schweizer Paraplegiker-Zentrum teilgenommen.
Einblick für die Bevölkerung an den Tagen der offenen Tür
Zum 50-Jahr-Jubiläum will die Schweizer Paraplegiker-Stiftung nahe bei der Bevölkerung sein. Aus diesem Grund wird sie eine Sonderschau an der OLMA in St. Gallen bieten (9. bis 19. Oktober), am Turnfest in Lausanne (12. bis 22. Juni) vertreten sein und als Höhepunkt die Bevölkerung zu den Tagen der offenen Tür vom 6. und 7. September auf den Campus in Nottwil einladen. Dort erhalten Besucherinnen und Besucher zum Beispiel Einblick in den Klinikalltag, die Nutzung von Robotik, den Umbau von Autos, die Rettungsmedizin, die Trainingshalle für Rollstuhl-Sportlerinnen und -sportler oder auch in die Therapie mit Pferden. Auch diese Einblicke werden den Mitgliedern und allen anderen Besuchenden eines zeigen: «Dabei sein wirkt»
Alle Informationen zum Jubiläumsjahr finden Sie hier.